Коммуналка – ein etwas ungewöhnlicher, russischer Lebensstil

„Hier zu leben ist temporär, aber nichts ist so beständig in Russland wie temporär“, beschreibt ein Bewohner sein Leben in einer Kommunalka. Mit dieser Aussage hat er die Wahrheit getroffen. Nach der russischen Revolution, enteigneten die Bolschewiki die Appartements der oberen Schicht und füllten sie mit Familien, nur um die städtische Wohnungsnot zu überkommen. Die Kommunalkas existieren jedoch noch heute.

Eine Kommunalka ist eine große Wohnung, die normalerweise von zwei bis zu sieben Familien geteilt wird. Jede Familie hat ihren eigenen Raum, der gleichzeitig als Wohnzimmer, Esszimmer und Schlafzimmer dient. Alle Bewohner teilen sich einen langen, dunklen Flur, eine Küche, ein Badezimmer und ein Telefon. Dies war die vorherrschende Wohnungsart in der UdSSR über Generationen hinweg.

Je nach Lebensart der Bewohner, kann das Leben in der Kommunalka interessant oder auch schrecklich sein. Alle Nachbarn waren gezwungen miteinander zu interagieren und mussten einem aufwändigen System an Regeln folgen. Zum Beispiel gab es eine unausgesprochene Regel, wer wann das Bad nutzen darf, abhängig von den Arbeitszeiten. Einerseits waren sie wie eine große Familie, aber andererseits waren sie auch Fremde. Die Bewohner wussten fast alles voneinander, daher gab es nichts Privates mehr. Spionieren und herumschnüffeln war ebenfalls weit verbreitet, da jeder in sehr nah beieinander liegenden Zimmern wohnte.

Ehemalige Bewohner sagen, es war eine komfortable Art zu leben. Sie genießten es und schauen heute liebevoll auf die familiäre Lebensweise zurück, die sie in den Kommunalkas fanden. Bewohner, die nach einiger Zeit in eine eigene Wohnung zogen, fühlten sich oft isoliert und allein. In einer Kommunalka lernte man, sich selber zu kontrollieren und schon in jungen Jahren Verantwortung für die eigenen Taten zu übernehmen, da man nicht alleine in der Wohnung lebte. Das einzige Probleme, das ehemalige Bewohner hatten, war das Telefon. Es gab nur ein Telefon für ungefähr fünf bis sechs Familien.

Heute gewinnen Kommunalkas immer mehr an Popularität. Viele Menschen wählen das Leben in einer Kommunalka aufgrund der exzellenten Lage. In Sankt Petersburg, zum Beispiel, befinden sich die meisten Kommunalkas im historischen Stadtzentrum. Aber der größte Grund ist immer noch der sehr günstige Preis. Verglichen mit einer kleinen separaten Wohnung, kostet ein Zimmer in der Kommunalka nahezu dreimal weniger. Vor allem ausländische Studenten wählen diese Art zu wohnen, da sie die Chancen nutzen möchten, jeden Tag mit Muttersprachlern zu kommunizieren.

Leave a reply