Mehr als nur lustige Muster: Lettische Symbologie

Mehr als nur lustige Muster: Lettische Symbologie

Wenn du durch die Altstadt läufst, wirst du schnell merken, dass die meist verbreiteten Touristenkäufe auf gestrickte Kleidungsstücke fallen – und dann hauptsächlich die lettische Variante der Fäustlinge mit ausgefallenen Designs. Während Mützen und Schals auch sehr beliebt sind, wirst du immer einen vollen Ständer mit den favorisierten unverwechselbaren Handschuhen aus dichter Wolle finden. Da ich selbst ein großer Stricker bin (ja, ich bin ein Kerl und stricke, es erweist sich als nützlicher als du denkst), war ich nicht gerade überzeugt, dass all die gestrickten Sachen in den Souvenirshops wirklich speziell und einzigartig sind. Ich meine, das gleiche sieht man auch in den Läden anderer osteuropäischer Länder oder auch in Skandinavien…

ES STELLT SICH HERAUS, es ist doch tatsächlich eine große Sache in der klassisch lettischen Kultur! (mein Pech…) Auch wenn du einen gewöhnlichen Teenager auf der Straße nicht mit solchen Fäustlingen rumlaufen sehen wirst, dienten die verschiedenen Farben und Schattierungen der Baumwolle früher dazu, um die spezifischen Regionen Lettlands zu symbolisieren. Allgemein kann man sagen, dass die Exemplare für Männer dramatische und reservierte Farben tragen, während diejenigen für Frauen eher heiter und verspielt wirken. Außerdem sind Elemente der Verzierung des Öfteren nicht regionalbedingt; die farbenfrohen Muster sind ursprünglich nämlich das Hauptmerkmal dieser Fäustlinge.

latvian_holy_signsNoch interessanter – wie es mir zumindest scheint – ist die noch tiefer verwurzelte Mythologie, die charakteristisch für die am häufigsten genutzten Muster ist. Man sieht die gleichen Muster (siehe Bild unten) ganz oft auch auf Armbändern, Schmuck oder traditioneller, lettischer Kleidung. Jedes Muster jedoch – manchmal separat, manchmal gemischt mit anderen – kann man heutzutage deutlich in diesen Fäustlingen wiedererkennen. Zugegebenermaßen sind auch einige moderne Abbildungen und Stilrichtungen zum heutigen Standard für ein neues Design der Fäustlinge geworden, aber unter diesen kann man oft noch sehen, wie die traditionellen Muster durchdringen.

Interessante Randnotiz: Während ich zu diesem Thema Recherche betrieben habe, geriet ich an einen Artikel darüber, dass für den NATO Summit in 2006 – der logischerweise in Riga stattgefunden hat – über 4500 Paare dieser Fäustlinge (=9000 Stück gesamt) für Gäste des Landes vorbereitet wurden. Allesamt von Hand gestrickt, mit den verschiedenen ethnografischen Verzierungen und Farben der einzelnen Vidzeme, Zemgale, Kurzeme und Latgale Regionen, wurden sie jedem Delegierten bei Ankunft übergeben. Die 268 Stricker waren alle lettischer Herkunft, wobei nur drei Männer darunter waren (männliche Stricker, vereint euch!), und zwischen 30 und 86 Jahre alt waren. Interessant zu sehen, welche wichtige Rolle diese Fäustlinge doch spielen…

Der wolligste Laden der Stadt

Falls du zufällig auch leidenschaftlich ans Stricken rangehst, so wie ich, und nach einem neuen Projekt oder qualitativ hochwertigem Souvenir suchst, dann empfehle ich dir, den Strickladen „Hobbywool“ in der Nähe der Drei Brüder aufzusuchen (Adresse: Mazā Pils iela 6, Centra rajons, Rīga). Spezielle „Lettische Handschuh-Kits“ werden dort in großer Auswahl an Farben und Designs verkauft verkauft, und das Personal freut sich sehr, dir bei der Wahl und Erklärung der einzelnen Muster zu helfen.

Alle, die wirklich schöne handgestrickte Ware suchen, werden dort auch fündig. Die Auswahl an fertiger Strickware ist ebenso hochwertig und sehr umfangreich. Ich empfehle euch dringend, dort einen Stopp mit einzuplanen.

Also vergiss nicht, wenn du mal an diesen unscheinbaren, schicken Handschuhgeschäften vorbeigehen solltest, dass da ganz schön viel Geschichte dahintersteckt!

 

Originaltext verfasst von Mark Kennedy, aus dem Englischen von Julia Manoschkin

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