Das Tatarenjoch

Das Tatarenjoch

Das Tatarenjoch

Nachfolgend möchte ich ein düsteres Kapitel der Russischen Geschichte vorstellen, das Tatarenjoch. Mitte des 14. Jahrhundert fielen die Russischen Fürstentümer für über 200 Jahre unter mongolisch-tatarische Herrschaft. Ein Teil der Russischen Geschichte den man unbedingt kennen muss.

Alles begann mit der Mongolischen Invasion, die auch als „Mongolensturm“ bezeichnet wird. Nach Dschingis Khans Tod im Jahre 1227 trat sein Sohn als Nachfolger an und beschloss 1235 ein Feldzug in Richtung Westen zu starten. Den agilen und kampferprobten mongolischen Reiterhorden hatte niemand etwas entgegenzusetzen und so stiessen sie bereits 1240 bis nach Kiew – die damalige Reichshauptstadt des Kiewer Rus – vor und fielen später auch in Polen und Ungarn ein. Anders als für Polen und Ungarn blieb es aber für die Russischen Fürstentümer nicht nur bei Einfällen der Mongolen, sondern sie fielen permanent unter mongolische Herrschaft.

Diese Periode wird auch als „dunkles Zeitalter“ bezeichnet und führte zu einer Trennung zwischen West- und Osteuropa, was eine unterschiedliche Entwicklung der beiden Gebiete zur Folge hatte. Westeuropäische Einflüsse wurden verwehrt oder zumindest stark abgeschwächt. Es wird davon ausgegangen, dass Russland in diesen über 200 Jahre dauernden Unterdrückung in seiner Entwicklung gegenüber dem Westen deutlich zurückgeworfen wurde. Auch für die unterschiedliche Entwicklung der orthodoxen Kirche war diese Tatsache ausschlaggebend.

Obwohl die Russischen Fürstentümer den Khanen unterworfen waren, konnten sie eine gewisse Autonomie waren. Sie mussten allerdings Hilfstruppen bereitstellen und regelmässig Tribut abliefern. Ansonsten kam es zu gnadenlosen Straffeldzügen der Mongolen. Teilweise wurden für diese Vergeltungsaktionen sogar die eigenen Verwandten eingesetzt, die ihren Zwangsdienst leisteten.

Die Herrschaft wurde über Grossfürsten organisiert. Diese waren Vertraute des Khans und waren ihm gegenüber verantwortlich, den Tribut einzutreiben und den sonstigen Verpflichtungen nachzukommen. Es gab also keine Stationierung von Truppen auf Russischem Territorium. Die war auch gar nicht notwendig da die Schreckensherrschaft der Mongolen auch so gewährleistet war. Natürlich gab es stets Beobachter des Khans in den Fürstentümern, die sicherstellten, dass es zu keinen Revolten oder Ungehorsam kam. Die mongolischen Herrscher mischten sich allerdings nicht in die religiösen Angelegenheiten ein und so nahm die orthodoxe Kirche eine Rolle der Stabilität ein. Was den mongolischen Reiterhorden übrigens zusätzlich in die Hände spielte, war der Umstand, dass die Fürstentümer untereinander zerstritten waren und sich sogar teilweise gegenseitig beim Khan anschwärzten.

Ein Ende der Unterdrückung gelang erst als das Fürstentum Moskau die Tataren zurückschlagen konnte und damit die Rückeroberung einleitete und sich als dominierende Kraft des Widerstandskampfes etablierte. Eines der entscheidenden historischen Ereignisse dabei war die Schlacht auf dem Kulikowo-Feld 1380, in der die russischen Truppen unter Dmitri Donskoi – dem “Grossfürsten von ganz Russland“ – das Heer der Mongolenherrscher zerschlagen konnte. An dieser wichtigen Schlacht nahmen auf Seiten der Russen auch Ukrainische und Weißrussische Kämpfer teil. Erst im Jahre 1480 hörte das Fürstentum Moskau definitiv auf Tribute abzuliefern.

 

Matthias Thöny, Praktikant bei Liden & Denz

 

 

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Posted by Matthias Thoeny

My name is Matthias Thoeny and I am from Switzerland. I am studying Business Administration at the University of St. Gallen. My mother tongue is German. I started learning Russian three years ago at university and continued self-studying. Last summer I already spent 7 weeks at Liden & Denz in St. Petersburg and I really enjoyed my stay in this beautiful environment. I started my Internship at Liden & Denz in Moscow in September and now I am working in St. Petersburg. I hope you enjoy reading my blog articles.

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