Ein Wochenende auf der Datscha

Ein Wochenende auf der Datscha

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Gurken aus dem eigenen Garten

Viele Moskowiter flüchten vor der stickigen Hitze und dem Großstadtgetümmel aufs Land, um am Wochenende eine schöne Zeit auf dem eigenen Ferienhaus fern von Lärm und Arbeit zu verbringen – die Datscha. Ein Ort zum Entspannen, Erholen und zum Zeitverbringen mit der Familie. Außerdem pflanzen viele Russen dort auch den eigenen Gemüsegarten an, damit das Land abseits der Stadt auch effektiv genutzt werden kann. Letztes Wochenende wurde ich von mein
er russischen Freundin und ihrer Familie auf deren Datscha eingeladen – voller Begeisterung habe ich natürlich sofort zugesagt!

Mit dem Auto haben wir uns also Freitagabend auf den Weg gemacht. Nachdem wir uns durch den üblichen ewigen Verkehr durchgekämpft haben, sind wir endlich angekommen – die restliche Familie hat uns schon mit einem sehr leckeren Abendessen erwartet. Am nächsten Tag sind wir auf dem Land spazieren gegangen und nachmittags entspannt in der Sonne gelegen. Abends gab es ein traditionelles russisches Grillfest – da darf Schaschlik [шашлык] und gegrilltes Gemüse nicht fehlen! Es war so unglaublich entspannend und eine wundervolle Möglichkeit für mich gewesen, dem Großstadtgetümmel zu entkommen. Ich kann sehr gut verstehen, wieso so viele Russen die Chance nutzen und zu ihrem ruhigen Ferienhaus fahren, sobald es nur möglich ist.

Exkurs: Geschichte der Datscha

Man glaubt zu wissen, dass diese Datscha-Tradition schon unter der Herrschaft von Peter dem Großen begonnen hat, der seinen treuesten Dienern Grundstück und Land zugesprochen hat. Nach der russischen Revolution 1917, wurden dieses Land (inklusive der Datschagrundstücke) öffentlich für jeden zugänglich – die Tradition wurde beibehalten. Arbeiter hatten nun die Möglichkeit, sich auf öffentlichen Anwesen auszuruhen. Vielen hochangesehen kommunistische Parteienmitglieder wurden Datschas vom Staat versprochen. Nachdem die Sowjetunion in den 90ern zerfiel, wuchs die Beliebtheit der Datscha-Tradition. Sehr viele neue Ferienhäuser entstanden während dieser Zeit, die in den Gemeinden nahe der russischen Großstädte gebaut wurden.

Datscha in der Literatur

Viele berühmte russische Schriftsteller machten die russische Datscha in ihren Werken zu unsterblichen Institutionen. Anton Tschechow schrieb eine Novelle mit dem Titel „Datschniki“ bzw. „Sommergäste“ im Jahre 1885, welche über das idyllische Leben auf russischen Ferienhäusern erzählten. Später im Jahre 1904 verfasste auch Maxim Gorki ein Stück mit gleichnamigen Titel. In seiner Novelle kritisiert er jedoch den exzessiven Lebensstil derer, die sich auf ihre großzügigen Datschas während den Sommermonaten zurückziehen.

 

Originaltext von Megan Beddoe, aus dem Englischen von Julia Manoschkin

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