Jan Fabre’s Ausstellung- Knight of Despair / Warrior of Beauty

Jan Fabre's Ausstellung

Die Eremitage heißt den berühmt-berüchtigten belgischen Künstler Jan Fabre in seinen Hallen willkommen. Seine Ausstellung Knight of Despair / Warrior of Beauty – zu Deutsch Ritter der Verzweiflung / Krieger der Schönheit– bietet eine facettenreiche Darbietung von über 200 Ausstellungsstücken. Von nüchternen Bleistift-Skizzen bis zum Kleid hergestellt aus toten Käfern und Schaben, gibt es nichts, was es nicht gibt. Die Ausstellung erstreckt sich über verschiedene Räume der Alten und Neuen Eremitage und mischt sich so unter permanente Ausstellungsstücke flämischer und holländischer Renaissance Künstler, wie Snyders und Jordaens. Fabre selbst betonte immer wieder, dass es gerade diese Künstler sind, welche ihn schon in seiner frühen Kindheit begeisterten und auch heute noch inspirieren. Als die Ausstellung im Herbst 2016 eröffnet wurde, stoß die Ausstellung zunächst bei Teilen der ansässigen Bevölkerung auf Empörung. Auslöser waren Fabre’s Verwendung von Tierkadavern und Insektenkörpern in einigen seiner Werke. Glücklicherweise blieben die Aussteller der Eremitage standhaft und so kann Knight of Despair/ Warrior of Beauty noch bis zum 9. April besucht werden. Die Öffnungszeiten der Eremitage sind dienstags, donnerstags, samstags und sonntags von 10.30- 18:00 Uhr und mittwochs und freitags von 10.30- 21.00 Uhr. Am Besten beginnt man mit der Besichtigung im Raum  260, dem Apollo Room, und geht weiter durch Raum 261, 262, nach links in Raum 258, 257, 248 und beendet die Besichtigung in Raum 243.

 

Die Verwandlung vom verzweifelten Ritter zum Kämpfer für die Schönheit

Das Käferkleid
Kleid aus Käfern

Die übergeordnete Idee der Ausstellung wird realisiert als großangelegte Installation, welche Skizzen, Gemälde, Skulpturen, Büsten, Kurzfilme, Vorträge und Diskussionsrunden mit einschließt.

Die Idee: Man sollte sich einen verzweifelten Ritter vorstellen. Er betritt die Eremitage. Dort trifft er auf die Werke seiner Vorgänger: Die Werke niederländischer und flämischer Maler der Renaissance. Damit beginnt seine Verwandlung: Er kreiert seine eigenen Werke als Antwort auf die vorhergegangenen. Mit jedem Schritt und mit jedem Werk vollzieht sich seine Metamorphose vom verzweifelten Ritter zum Krieger der Schönheit.

Die Figur des Ritters dient somit als ein Überbleibsel der Vergangenheit, welches in die Zukunft gereist ist- unsere Gegenwart. Dadurch wird ein einzigartiger Dialog zwischen dem Heute und dem Gestern erschaffen. Schlüsselthemen der Renaissance, wie ‘Vanitas’ (die Vergänglichkeit alles Lebendigen) und ‘Wandel’ bleiben erhalten, nur werden sie in einem modernen, teils provokativen oder grotesken Stil umgesetzt. In Einklang mit dem allgegenwärtigen Renaissance-Gedanken der unaufhörlich fortschreitenden Zeit, scheint es auch kein Zufall zu sein, dass der Weg des Kriegers in der Alten Eremitage beginnt und in der Neuen endet.

Meine Erfahrung

Fabre Flying Object
Fliegendes Objekt, Käfer und Schwan

Knight of Despair/ Warrior of Beauty ist kurz gesagt – einzigartig. Wenn ihr euch bis zum 9. April 2017 in St. Petersburg befinden solltet, dann solltet ihr die Ausstellung auf keinen Fall verpassen. Am meisten begeistert hat mich das Konzept, durch welches Moderne Kunst mit vorherigen Epochen der Kunstgeschichte verbunden wurde. So konnte man nicht nur die gesamte Palette von Fabre’s Fähigkeiten begutachten, sondern gleichzeitig auch Rückschlüsse darauf ziehen, woher seine Inspiration stammte. Für mich wurde die Ausstellung interessanter, umso weiter ich fortschritt, da auch die Ausstellungsstücke zunehmend plastischer und provokativer wurden.

Nicht verpassen sollte man Fabre’s Kugelschreiber-Gemälde. Der Künstler hat ganze Großleinwände nur mit Kugelschreiber bemalt. Von von weiter weg sehen sie aus wie unscheinbare blaue Plakate aussehen, doch bei näherem Hinschauen erkennt man, dass es sich um Akt-Portraits handelt. Ebenfalls sehr beeindruckend waren die großformatigen Gemälde zum Thema ‚Vanitas‘, welche ausschließlich aus kunstvoll arrangierten Käferflügeln bestanden. Von weiter weg erzielte ihr mysteriöses grün-blaues Schimmern eine schon fast dreidimensionale Wirkung.

Fabre's Selbstportraits
Fabre’s Selbstportraits

Am besten gefielen mir die Selbstportrait-Statuen Fabre‘s, welche ihn mit zusätzlichen fantastischen Attributen und verschiedenen Gesichtsausdrücken zeigten. Mir persönlich signalisierten sie, dass der Künstler selbst vielleicht gar nicht immer eine ernsthafte, gesellschaftskritische Nachricht haben muss, sondern dass er vielleicht auch einfach mal ein kleines Schmunzeln bei dem Betrachter hervorrufen will. Es gab noch so viele weitere, wunderbare Stücke, welche ich in diesem Post nicht nennen konnte. Deswegen empfehle ich, den Ausstellungsführer als Pdf von der offiziellen Eremitage Homepage herunterzuladen. Dieser wurde auf Englisch und Russisch verfasst. IPhone Nutzer dürfen sich außerdem über einen Audio-Guide freuen.

Zum Abschluss möchte ich noch einmal sagen, dass jeder, der sich für Moderne Kunst interessiert, oder einfach neue und kreative Ansätze zum künstlerischen Schaffen sehen möchte,  Fabre’s Ausstellung in der Eremitage nicht verpassen sollte!

Dieser Artikel wurde verfasst von Ayla Opatz, Studentin und Praktikantin bei Liden & Denz.

Ayla Opatz

Posted by Ayla Opatz

Hi, my name is Ayla. I am currently studying Russian and completing an internship at Liden and Denz Saint Petersburg. I am looking forward to my time in Russia and want to share my experiences with you via the Liden and Denz blog and social media websites. So stay tuned for more posts!

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