10 Februar, 2017

Die überwältigende und zugleich historisch gesehene junge Stadt Peter des Großen spielte mehrfach eine Rolle in der Geschichte Russlands. Als ehemalige Hauptstadt Russlands wurde hier regelrecht Geschichte geschrieben. Neben den vielen Museen – ob Kunst, Musik, Anthropolghie, Geographie – die alle ein Stück weit von der Vergangenheit des größten Landes der Erde erzählen, gibt eines der vielen Museen einen hervorragenden Überblick über die Geschehnisse der letzten zwei Jahrhunderte in Sankt Petersburg und Russland wieder.

Rede Lenins ans Volk

Rede Lenins ans Volk

Das Staatsmuseum für Politik und Geschichte in Sankt Petersburg berichtet multimedial und sehr einprägend über die Vergangenheit. Es befindet sich im Zentrum der Stadt auf der Petrogradski Ostrov. Die Wahl des Gebäudes für die Ausstellungen war nicht von ungefähr.
Der Zar Nikolas II. erließ das Gebäude als Villa im Jugendstil erbauen und widmete es seiner Geliebte Primaballerina Matilda Felixowna Kschessinskaja. Kschessinskaja, die zum russischen Adel engen Kontakt pflegte, verließ ihre Villa aufgrund der Revolution 1917. Zeitnah besetzten Soldaten das Gebäude und überließen es Revolutionäre zur Nutzung. Von März bis Juni 1917 vor allem von Bolschewiken genutzt, vertieften die Revolutionäre ihre Zukunftsvisionen. Mit Balkons ausgestattet bietet die Villa Möglichkeiten für Reden ans Volk. In den rekonstruierten Räumen, kann man heute an Ort und Stelle hervorragend nachvollziehen, von welchem Balkon sich Lenin vor 100 Jahren ans Volk wendete und die Revolution weiter voran brachte.

Sparkasse statt Vodka

Vodka Feind; Sparkasse Freund

Neben der Februarrevolution gibt das Politikmuseum in Sankt Petersburg einen Eindruck über die folgenden Bürgerkriegsjahre, die Neue Ökonomische Politik sowie die Situation der Menschen und die Machtverteilung in der Sowjetunion. Eine eigene Ausstellung widmet sich ausschließlich der Propaganda unter Stalin. Zahlreiche Werbeplakate und zeitgenössische Zeitungsartikel zeugen von der unterschwelligen Beeinflussung. Neben Karikaturen die die Außenpolitik des Klassenfeindes Amerikas anprangern, zeugt beispielsweise das Plakat links davon, wie Leute angeregt werden, ihr Geld nicht in Vodka zu “investieren”, sondern zur Sparkasse zu bringen.

Wer denkt, dass das Museum an der Stelle endet, an der die Russische Föderation aus der Sowjetunion hervorgeht der irrt. Auch Berichte von Zeitzeugen, Artikel und Gegenstände schildern Momente der Zeit nach der Sowjetunion. Interessant wird es, wenn russische Besucher an einem Schrank vorbeigehen, dessen Schubfächer öffnen und auf einmal Banknoten sehen, auf denen nicht 100, 1000 sondern 100.000 Rubel gedruckt ist. Man sieht den Leuten regelrecht an, wie sie zu denken beginnen und sich an die 90iger Jahre erinnern, als Inflationsraten von mehreren hundert Prozent Russland prägten.

In Anbetracht des baldigen 100. Jahrestages der Februarrevolution, sollte ein Abstecher ins Politikmuseum in Sankt Petersburg quasi ins Pflichtprogramm mit aufgenommen werden.
Neben russischen und englischen Texttafeln gibt es zusätzlich Faltblätter mit denselben Informationen u.a. auf Deutsch und Französisch. Eine Handy-App, die man sich im voraus herunterladen kann, begleitet einen außerdem auditiv beim Museumsrundgang.

Maxim Germer

Posted by Maxim Germer

Maxim Germer is currently involved as an intern at Liden & Denz in Saint Petersburg. He has been learning Russian for a couple of weeks. Due to the success he noticed during a three weeks stay at the language School Liden and Denz he decided to come back where he is now for three months.

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