Moskauer Strassenhunde: Intelligenzbestien

Strassenhunde

Seit dem 19. Jahrhundert gibt es Aufzeichnungen von zehntausenden, herrenlosen Strassenhunden in der Russischen Metropole.

Das „wilde“ Leben auf Moskaus Strassen hat sie einfallsreich gemacht. Die natürliche Selektion hat eine Vierbeinergesellschaft geschaffen, dessen Mitglieder intelligenter und durchhaltefähiger geworden sind als herkömmliche Haushunde oder vergleichbare Strassenhunde in den Metropolen Europas.

Längst sind die Rudel unter Beobachtung von Verhaltensbiologen und diese bestätigen die einmalige Entwicklung deren Lebens- und Verhaltensweisen.

Die Forscher betiteln die Hunde nunmehr als „Intelligenzbestien“, da sie seit geraumer Zeit auch das die Stadt überspannende Metrosystem benutzen. Meist übernachten die Strassenhunde in Rudeln in den Vororten von Moskau, wo nicht derart viel Verkehr und Lärm herrscht, wie im unmittelbaren Zentrum der Stadt.

Morgens „steigen“ sie dann in die nächst gelegene Metrostation ein und fahren selbständig an gewisse für ihre Nahrungsbeschaffungsstrategien wichtigen Stationen aus und verlassen die Metro. Den Forschern ist bis heute nicht bekannt, wie sich die Hunde im Untergrundmetrosystem orientieren. Die Benutzung gehe aber systematisch von statten, manche Hunde schliefen sogar während den längeren Zugfahrten.

Sind durch den Tag genug „Fressnäpfe“ gefüllt worden, begeben sie sich wieder vom nahrungsreichen Zentrum in die Plattenbauvororte per Metro.

Nebst der ausgeklügelten Benutzung der öffentlichen Verkehrsmittel, zeigt sich ihre Intelligenz auch an den Strategien, welche sie zur Nahrungsfindung einsetzen. Die für das menschliche Auge „süssen“ Hunde, stellen sich schlicht an vielbevölkerte Knotenpunkte und betteln nach Fressen.

Demzufolge haben die Hunde einzuschätzen gelernt, welche körperlichen Attribute eher dazu prädestiniert sind, für den Menschen als bemitleidenswert wahrgenommen zu werden und so eben auch mehr zugeworfene Nahrung zu erhalten.

Die starken, angsteinflössenden Hunde schleichen sich oftmals von hinten an essende Menschen heran und verschrecken diejenigen mit ihrem starkem, unerwarteten Gebelle. Die Konsequenz ist, dass die vor Angst auf- und davonspringen Leute ihr Essen fallen lassen und dieses dann von den Hunden leicht vom Boden zusammengesammelt werden können.

Zu Attacken gegenüber Menschen kommt es den Wissenschaftler zufolge nur dann, wenn sie aktiv vom Menschen gequält, angegriffen oder ihre Welpen in Gefahr gebracht werden. In den Metrowagons verhalten sie sich ruhig und ebenfalls bei den „Bellüberfällen“ kommt es nie zu blutigen Zwischenfällen.

Es scheint, als hätten die Hunde das Leben in der Grossstadt zu perfektionieren gelernt!

Till M. Widmer, studiert zur Zeit Russisch am Spracheninstitut Liden & Denz in Moskau

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