17 September, 2016

Bis ins Jahre 1995 war der Weltöffentlichkeit nichts bekannt über das Untergrundsystem, das nur einen Katzensprung von der Taganskaya Metrostation im Zentrum Moskaus entfernt liegt. Heute, 21 Jahre nach der Aufhebung des „top secret“-Status, fungiert es als Zeitzeugnis einer Periode der nuklearen Aufrüstung zwischen der Sowjetunion und den Vereinigten Staaten von Amerika.

Wie uns allen im Geschichtsunterricht schon früh gelehrt wurde, hat sich die geopolitische Situation nach dem zweiten Weltkrieg in einer Sackgasse befunden. Die West-Mächte wollten verhindern, dass ganz Europa dem sozialistischen Moloch verfällt und seinerseits sah die Sowjetunion die kapitalistischen Staaten als Ausbeuter der menschlichen Rasse  in gar apokalyptischem Ausmasse an.

Diese Spannungsbeziehung und die nie schwindende, gegenseitige Angst eines End-Kampfes, verleitete die Supermächte zu einem Kräftemessen, welches sich speziell ab den fünfziger Jahren im Wettrüsten von Nuklearwaffen und deren Trägervehikel manifestierte.

Der Bunker 42 hatte in dieser Konstellation einen wichtigen, strategischen Status für die Sowjetarmee. Vom rund 70 Meter unter dem Stadtzentrum gelegenen Bunkersystem, sollte im Falle eines atomaren Angriffs der USA, der Gegenangriff mit stationären und fliegergestützten Nuklearsprengkörpern koordiniert werden.

Will man als historisch interessierter Zeitgenosse den „Stalinbunker“, wie er auch genannt wird, aufsuchen, wird man ohne Online-Anmeldung von verschlossen Türen stehen bleiben. Der Bunker ist nur per geführter Exkursion zugänglich, was aber sicherlich Sinn macht, da der ziffige „Führungsoffizier“ viele interessante Side Facts zum Bunker, aber auch zur damaligen politischen Situation geben kann. Zudem sind der Führung einige Vorführeffekte angehängt. Beispielsweise der Nuklear-Alarm, welcher durch die kahlen Gänge peitscht oder eine etwas gruselig anmutende Simulation eines atomaren Angriffs auf die amerikanische Metropole New York – natürlich an den originalen Apparaturen, welche von zwei Besuchern simultan bedient werden müssen.

Die Führung dauert ungefähr eineinhalb Stunden, kostet um die 2000 Rubel und beinhaltet unzählige zu bewältigende Treppenstufen bis ins Innere der Anlage. Die körperliche Anstrengung lohnt sich aber allemal! Im Bunker 42 scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. Man erfährt hautnah über die Zeit, welche unseren Eltern und Grosseltern endzeitliche Angst eingejagt und die Geschichtsschreibung während mehrerer Dekaden geprägt hat.

Für weitere Informationen zum Bunker und den angebotenen Exkursionen, besuchen Sie die unten aufgeführte Homepage und tauchen Sie in die Ära der bipolaren Zeitgeschichte der zweiten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts ein.

http://www.bunker42.com/eng/

Till M. Widmer, studiert zur Zeit Russisch am Spracheninstitut Liden & Denz in Moskau

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