Mythen rund um die russischen Fälle

Hast du dich einmal entschieden Russisch zu lernen, beginnt jeder dich einzuschüchtern.

Die Mutter sagt: Russisch ist so rau und verwirrend … übrigens, was hört sich besser an: – дружба (DRUHSCHBA) oder гниль (GNIEL)? – Beurteilt man ausschließlich die Wörter an ihrem Klang, könnte GNIEL etwas Angenehmes, Freundliches bedeuten während hingegen DRUHSCHBA für etwas Schreckliches, Böshaftes steht. – Die Auflösung findest du im Wörterbuch!

Der Großvater spricht: Diese Sprache ist reich an Wörtern, sehr anschaulich und ausdrucksstark. Du wirst sie aber nie vollständig beherrschen. Nebenbei, kennst du den Unterschied zwischen бумажка, бумажонка, and бумаженция? Im Deutschen wäre es nur ein „Stück Papier“, aber im Russischen polarisieren die Suffixe manchmal die Bedeutung.

Die Schwester, eine ziemliche strebsame Person, berichtet dass das kyrillische Alphabet schlimmer als die Japanischen Hieroglyphen sei – Schau dir nur den Buchstaben Ж an, mit dem Buchstaben Ю verhält es sich auch nicht besser!

Aber in einem Stimmen alle drei überein: Fälle sind der Alptraum der russischen Sprache.

Beginnen wir bei den Mythen:

1. Russisch besitzt nicht die meisten Fälle. Finnisch, Estnisch und Ungarisch überbieten Russisch bei weitem – 20 Fälle im Finnischen und 25 im Ungarischen.

2. Die Tendenz geht hin zu weniger Fällen. – Im Russischen haben wir, doch bis vor kurzem waren es noch mehr. Überreste aus dem verstorbenen Vokativ nutzen wir heute noch im Alltag in der Form von „Oh mein Gott“ – Боже! (BOHSCHE!) oder Господи! (GOSPOHDU!)

3. Das System der Fälle könnte fremd erscheinen, aber wenn du die einzelnen Formen dir gut einprägst, verstehst du bald (in einem Jahr 🙂 ) wie du die Fälle richtig anwendest und entwickelst ein Gefühl dafür.

4. Unsere Fälle sind einfach organisiert. – Es genügt die richtige Frage zu stellen. – WO zielt immer auf den Präpositiv ab. Dahingegen kennzeichnet WOHIN stets den Akkusativ. Es gibt weitere hilfreiche Fragen, die auf die jeweilige Deklination hindeuten.

5. Die russischen Fälle sind hilfreich. Sie identifizieren den Satzinhalt und auch einzelne Wortgruppen vertauscht werden, bleibt der Sinn des Satzes erhalten.

6. Einige Studenten schildern, dass sie den Sinn eines Verbes oder des kompletten Satz ganz einfach erkennen, indem sie die Deklination des Substantives analysieren. (so genanntes verbal government)

7. Und auch umgekehrt: Die meisten Auswanderer nuscheln oder verschlucken gern die Endungen der Substantive. Ein Muttersprachler versteht sie dennoch perfekt – dank des verbal governments.

8. Die Deklinationen machen dich kreativ. Unsere Studenten erstellen ihre eigenen Tabellen und Merkblätter und entwickeln ihre eigenen Lernmethoden. Nebenbei erwähnt können die russischen Fälle graphisch dargestellt werden.

9. Eine schlechte Nachricht: Wir haben 3 Genera und den Plural für Substantive, Adjektive, Numerale und Pronomen.

10. Eine gute Nachricht: Im Gegensatz zu vielen anderen Dingen, wirst du bei einem Aufenthalt in Russland erkennen, dass die russischen Fälle logisch aufgebaut sind. Es ist das Skelett auf dem Vieles aufbaut – daher solltest du dich mit ihnen anfreunden.

Nadezhda Lyubich, Director of Studies at Liden & Denz St. Petersburg.

Übersetzt aus dem Englischen „Russian Cases. Myth Busting!“ von Maxim, Student und Praktikant bei Liden & Denz Sankt Petersburg.

Maxim Germer

Posted by Maxim Germer

Maxim Germer is currently involved as an intern at Liden & Denz in Saint Petersburg. He has been learning Russian for a couple of weeks. Due to the success he noticed during a three weeks stay at the language School Liden and Denz he decided to come back where he is now for three months.

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