17 Januar, 2017
Auch nach einem längeren Besuch mit vollem Programm in Sankt Petersburg gibt es immer noch etwas Neues zu entdecken. Ein Blick über die Stadtgrenzen hinaus bietet interessante Einblicke in die Architektur, Kunst und Geschichte. Neben den sich in unmittelbarer Umgebung befindlichen Touristenzielen Peterhof und Puschkin lohnt sich ein Tagesausflug nach Wyborg allemal. Aufgrund seiner Geschichte und Nähe zu Finnland unterscheidet es sich von vielen russischen Städten.

Anreise nach Wyborg mit dem Zug

Die etwa 130 km von Sankt Petersburg entfernte Stadt Wyborg ist sehr einfach vom Finnischen Bahnhof (Финляндский вокзал) aus erreichbar. In nur 75 min durchquert der Schnellzug mit bis zu 160 km/h den Leningrader Oblast. Anders als in Deutschland reicht es nicht aus, sein Ticket einmal vorzuzeigen: Vergleichbar wie in England kontrollieren Automaten am Bahnhof zum ersten Mal, ob der Reisende berechtigt ist die Bahngleise zu betreten. Der Fahrschein wird dann im Zug ein zweites Mal kontrolliert. Die nächste Kontrolle lässt dann nach einem Zwischenhalt auf sich warten: Anders als in Deutschland fragt der Schaffner nicht wer Zugestiegen sei, sondern fordert alle Fahrgäste auf, ihren Fahrschein zu präsentieren. Die letzte Kontrolle lässt man dann über sich ergehen, wenn man den Bahnhof verlassen möchte. Diese Maßnahmen sollen wohl das Schwarzfahren, im Russischen als «ездить зайцем» bezeichnet, erschweren. Aufgrund der Nähe zur finnischen Grenze sind Polizeikontrollen möglich. Daher ist es empfehlenswert, ein Dokument mitzunehmen, das den legalen Aufenthalt in Russland bestätigt.

Die Stadtgeschichte Wyborgs

Angekommen in der Stadt zeugen alte Fassaden mit historischen Symbolen von der ehemaligen Zugehörigkeit zu Finnland. Die im Kern der Altstadt, auf einer Insel im Jahr 1293 erbauten Wasserburg erinnert an die ursprüngliche Funktion der Stadt. Schweden errichtete die Burg als Bollwerk gegen die Republik Nowgorod. Nach etlichen Auseinandersetzungen und nach mehreren erfolglosen Belagerungen zu Beginn des 18. Jahrhundert, wechselte dann 1710 die Stadt die Seite und wurde Teil des russischen Reiches unter der Obhut des Großfürstentums Finnland. Zwei Jahrhunderte später erklärte Finnland nach der Oktoberrevolution seine Unabhängigkeit, womit Wyborg damit finnisch war. Nach etwa zwei Jahrzehnten wechselte abermals die Zugehörigkeit, als die Sowjetunion Wyborg 1940 belagerte. Seitdem ist die Mehrheit russisch.

Die Parkanlage Monrepos

Blick auf den zugefrorenen finnischen Meerbusen

Wer aufmerksam durch die Stadt geht, wird die unterschiedlichen Ausprägungen erkennen können. Darüber hinaus ist die Parkanlage „Monrepos“ sehr eindrucksvoll. Sein Landschaftsbild wird von einem dichten Nadelwald, riesigen aus der Eiszeit stammenden Granitbrocken, einigen Insel und dem finnischen Meerbusen geprägt. Lediglich im Winter, wenn der finnische Meerbusen vom Eis bedeckt ist, sind die Inseln der Parkanlage zugänglich. Dann sieht man auch Wanderer die vom Festland zur Parkanlage über den See marschieren, eifrige Langläufer die sich auf dem Eis austoben oder Angler die ihr Glück beim Eisfischen versuchen. Ob Parkanlage, Wasserburg oder Stadtzentrum, ein Tagesausflug nach Wyborg ist vielversprechend. Vielleicht sogar eher jetzt als später, da Baufälligkeit der Gebäude und die fehlende Restauration das historische Stadtbild in den nächsten Jahren verändern wird. Dieser Artikel wurde verfasst von Maxim, Student und Praktikant bei Liden & Denz Sankt Petersburg.
Maxim Germer

Posted by Maxim Germer

Maxim Germer is currently involved as an intern at Liden & Denz in Saint Petersburg. He has been learning Russian for a couple of weeks. Due to the success he noticed during a three weeks stay at the language School Liden and Denz he decided to come back where he is now for three months.

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